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Meine Damen und Herren des DLV, erlebte Inklusion sieht anders aus!

 

Markus Rehm (25), Paralympics-Sieger von 2012, der vor rund 10 Tagen in Ulm Geschichte geschrieben und als erster Springer mit Handicap den deutschen Meistertitel bei den Nicht-Behinderten gewonnen hat, darf bei den Europameisterschaften in Zürich (12. bis 17. August) nicht starten.  Der DLV begründet seine Entscheidung mit den biomechanischen Messungen in Ulm. „Wir leben Inklusion. Aber die in Ulm gemessenen Werte zeigen auf, dass sich Anlauf und Absprung signifikant unterscheiden“, sagte Prokop. „Es besteht der deutliche Zweifel, dass Sprünge mit Beinprothese und mit einem natürlichen Sprunggelenk vergleichbar sind.“

Enttäuscht zeigte sich auch Verena Bentele,  Behindertenbeauftragte der Bundesregierung über die Nichtnominierung. „Ich finde es schade und nicht glücklich, dass die Entscheidung so gefallen ist. Das ist kein guter Umgang mit der Leistungsfähigkeit von Behinderten, was ich sehr irritierend finde. Wenn Markus Rehm 7,50 Meter gesprungen wäre, hätte es keinen gestört.“

Ich war angetan, und ich glaubte an das Großartige! Ein Sportler mit Behinderung kämpft mit nichtbehinderten Sportler um den Sieg. Erlebte Chancengleichheit im Sport. Eine beispielhafte Inklusion. Bereits vor einem Jahr war der Leverkusener fast acht Meter gesprungen und jedem müsste es klar gewesen sein, dass er sich mit den besten nichtbehinderten Springern messen will und eben auch kann. Aus Angst vor kaum überschaubaren sportpolitischen und -juristischen Folgen hat man Rehm nun den EM-Start versagt. Ein Urteil, dem eine Vermutung zu Grunde liegt, mehr nicht! – Das tut weh! Ich bin enttäuscht! Das hat dieser tolle Sportler nicht verdient.

Meine Damen und Herren des DLV, erlebte Inklusion sieht anders aus!

Umso mehr freue ich mich, dass Markus Rehm als Weltbehindertensportler des Monats nominiert ist.

 

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Studie der Bertelsmann-Stiftung – Inklusion in der Ausbildung findet kaum statt

Im April 2013 freute ich mich noch über den Antrag der christlich-liberalen Koalition „mehr Chancen für Menschen mit Behinderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt“. Augenscheinlich ohne große Wirkung. Die jüngste Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt weiter große Defizite: Demnach spielt gemeinsames Lernen von Behinderten und Nichtbehinderten in der deutschen Wirtschaft kaum eine Rolle. Von jährlich 50 000 Schulabgängern mit speziellem Förderbedarf finden nach einer repräsentativen Studie nur etwa 3500 einen Ausbildungsplatz. Stiftungsvorstand Jörg Dräger: „Inklusion darf sich nicht auf Kindergarten und Schule beschränken. Jugendliche mit Behinderung brauchen nach der Schule eine Perspektive und bessere Chancen auf einen Berufseinstieg.“

Die Befragung bei über 1000 Betrieben ergab zwar eine Offenheit für Inklusion, aber auch ein großes Informationsdefizit. So sollen die staatlichen Unterstützungsangebote wie Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung oder Kostenübernahmen für Umbauten am Arbeitsplatzbei weniger als der Hälfte der Betriebe bekannt sein.Da besteht dringender Handlungsbedarf.

Inklusion als Ganzes zu sehen, ist die große Herausforderung und Herkulesaufgabe aller Beteiligten unserer Gesellschaft. Menschen mit Behinderung haben einen Anspruch auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Sie stehen mitten in der Gesellschaft und können ihr sehr viel geben.

Geben wir Ihnen diese Chance!

Lesen Sie hier die Pressemitteilung der Bertelsmann-Stiftung:

http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-B61DE04A-91D24811/bst/hs.xsl/nachrichten_121332.htm